Neuer US-Gesetzentwurf könnte DeFi-Entwickler kriminalisieren
🇺🇸 Charles Hoskinson warnt: Neuer US-Gesetzentwurf könnte DeFi-Entwickler kriminalisieren
Washington / Colorado, 10. Oktober 2025 – Der Gründer der Blockchain-Plattform Cardano, Charles Hoskinson, hat in einer aktuellen Ansprache vor einer „gefährlichen Entwicklung“ in der US-amerikanischen Krypto-Gesetzgebung gewarnt. Ein neuer Gesetzesvorschlag der demokratischen Senatoren könne, so Hoskinson, „faktisch zur Kriminalisierung von DeFi-Entwicklern und unabhängigen Wallet-Betreibern“ führen.
Neuer Senatsentwurf sorgt für Aufsehen
Der Streit um die Regulierung digitaler Vermögenswerte in den USA spitzt sich weiter zu. Während der „Digital Asset Market Structure Act“ – ein parteiübergreifend erarbeiteter Entwurf – in der Abgeordnetenkammer bereits breite Unterstützung findet, legten die Senatsdemokraten kürzlich einen eigenen Gegenvorschlag vor.
Der neue Entwurf sieht weitreichende Eingriffe in den DeFi-Sektor (Decentralized Finance) vor. Unter anderem sollen:
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Betreiber von DeFi-Frontends künftig als lizenzpflichtige Finanzintermediäre gelten,
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alle Wallet- und Protokollanbieter KYC-Verfahren durchführen,
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und das US-Finanzministerium die Befugnis erhalten, Protokolle oder Anwendungen ohne richterliche Genehmigung zu sperren.
Kritiker warnen, dass damit offene Blockchain-Netzwerke de facto illegalisiert werden könnten.
Hoskinson: „Das ist kein Regulierungsrahmen, das ist Kontrolle“
In einem fast einstündigen Livestream bezeichnete Hoskinson den Entwurf als „gefährlichen Angriff auf Innovation und Freiheit“.
„Was hier vorgeschlagen wird, hat nichts mit Verbraucherschutz zu tun“, sagte er.
„Es ist eine Übernahme einer ganzen Branche durch Regierungsbehörden – mit dem Ziel, DeFi unbrauchbar zu machen.“
Hoskinson betonte, dass der Gesetzentwurf nicht zwischen Entwicklern, Nutzern und Plattformbetreibern unterscheide, sondern pauschal alle Beteiligten in regulatorische Verantwortung nehme. Damit würde „jeder, der Code schreibt oder ein Frontend bereitstellt, potenziell als Finanzvermittler gelten“.
Reaktionen aus der Branche: „Praktisch nicht umsetzbar“
Auch andere Stimmen aus der Blockchain-Branche äußerten sich kritisch.
Jake Chervinsky, Chefjurist bei Variant Fund, erklärte auf X (vormals Twitter):
„Die Sprache des Entwurfs ist so vage und breit, dass sie unmöglich umgesetzt werden kann.
Sie würde legitime Entwickler kriminalisieren, ohne echte Sicherheitsvorteile zu schaffen.“
Summer Mersinger, ehemalige Kommissarin der US-Warenterminaufsicht CFTC, sprach von einem „Rückschritt für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit“.
Beide betonten, der Entwurf gebe dem Finanzministerium nahezu unbegrenzte Vollmachten, um Projekte zu blockieren oder zu sanktionieren – selbst dann, wenn diese keine zentrale Instanz oder Kundengelder verwalten.
Kampf um den Standort USA
Hoskinson warnte, die USA riskierten mit einem solchen Kurs ihre führende Rolle im Technologiesektor.
„Wenn diese Gesetze in Kraft treten, wird Innovation einfach abwandern – nach Europa, in die Vereinigten Arabischen Emirate oder nach Asien.
Blockchain wird nicht verschwinden. Sie wird nur nicht mehr amerikanisch sein.“
Er erinnerte an frühere Regulierungsdebatten rund um das Internet in den 1990er Jahren:
„Damals wollten Politiker das Internet mit denselben Methoden kontrollieren.
Hätten sie sich durchgesetzt, gäbe es heute kein Google, kein Amazon und kein Silicon Valley.“
Freiheit, Eigentum, Selbstbestimmung – die ideologische Linie
Hoskinson stellte klar, dass es bei der Debatte um Krypto nicht primär um Spekulation gehe, sondern um Freiheitsrechte.
„Krypto kümmert sich nicht um Hautfarbe, Herkunft oder Religion.
Es geht um das unveräußerliche Recht jedes Menschen, Eigentum zu besitzen und frei zu handeln.“
Er warnte, eine übermäßige Regulierung könne dazu führen, dass die Kryptoökonomie denselben Kontrollmechanismen unterworfen werde wie das traditionelle Bankensystem – inklusive Zensur, Kontosperrungen und Überwachung.
CBDCs im Fokus: Die Angst vor der totalen Kontrolle
In seiner Ansprache nahm Hoskinson auch Bezug auf CBDCs (Central Bank Digital Currencies), also staatlich kontrollierte Digitalwährungen.
Er bezeichnete sie als „Werkzeug totaler finanzieller Überwachung“ und warnte, die Einführung solcher Systeme könne das Ende der finanziellen Privatsphäre bedeuten.
„CBDCs geben Regierungen die Macht, dein Geld abzuschalten, wenn du dich nicht konform verhältst.
Blockchain dagegen gibt dir die Kontrolle über dein eigenes Vermögen zurück.“
Cardano, so Hoskinson, verfolge daher einen anderen Ansatz – Dezentralisierung, Transparenz und Mitbestimmung statt zentraler Kontrolle.
Appell an Bürger und Gesetzgeber
Hoskinson rief die amerikanische Bevölkerung dazu auf, aktiv politischen Druck auszuüben.
„Schreibt euren Senatoren, ruft ihre Büros an, macht Lärm.
Lasst nicht zu, dass ein kleiner Kreis von Bürokraten eine ganze Zukunftsindustrie zerstört.“
Er forderte insbesondere Unterstützer der Demokratischen Partei auf, sich für eine überparteiliche Lösung einzusetzen und die Arbeit am ursprünglichen Market-Structure-Act fortzuführen.
Ein Wendepunkt für die USA
Hoskinson schloss seine Rede mit einem historischen Vergleich:
„Wir stehen an einem Wendepunkt.
Entweder die USA öffnen sich für Innovation – oder sie verlieren ihre technologische Führungsrolle.
Wenn Amerika Krypto ablehnt, wird nicht Krypto scheitern. Amerika wird es tun.“
Fazit
Der neue Senatsentwurf zur Krypto-Regulierung löst eine der schärfsten Debatten in der jüngeren Geschichte der Blockchain-Politik aus.
Während Befürworter mehr Verbraucherschutz fordern, sehen Kritiker wie Charles Hoskinson darin eine bedrohliche Verschiebung staatlicher Macht.
Ob der US-Kongress den Entwurf in dieser Form verabschiedet, bleibt offen – sicher ist jedoch:
Die Entscheidung wird weitreichende Folgen für die Zukunft der digitalen Ökonomie haben.
Quellen:
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Hoskinson, C. (2025): Livestream-Statement zu US-Krypto-Gesetzgebung
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Variant Fund, CFTC, Cardano Foundation
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US-Senat: Draft Proposal on Digital Asset Regulation (October 2025)
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